MeinFernbus

Interview mit Torben Greve von MeinFernbus

Torben Greve gründete gemeinsam mit Panya Putsathit MeinFernbus im Jahr 2011. Seitdem führen beide gemeinsam das schnell wachsende Unternehmen. Das Interview führten Manuel Müller und Sandra Stachowiak.

Was hat Dich letztendlich überzeugt, den großen Schritt in die Gründung zu wagen?
Eigentlich die volle Überzeugung, dass das Produkt einschlagen wird. Ich hatte das große Glück, dass ich vorher als Unternehmensberater schon Business Cases zum Thema Fernverkehr in Deutschland gerechnet habe und mich stark mit den Markteintrittsstrategien und Marktpotentialanalysen beschäftigt habe.
Damals war ich enttäuscht, dass die Unternehmen für die ich das gemacht habe, abgewunken haben, weil sie nur die Risiken gesehen haben.
Letztendlich war ich aber so identifiziert mit dem Ganzen, dass ich so für die Idee gebrannt habe und es für mich einfach war den Panya damit anzustecken.

Was hat sich in Deinem Leben nach der Gründung am stärksten verändert? Wie sieht die normale Woche als Geschäftsführer aus? Ist da eine 40-Stunden-Woche überhaupt noch möglich?
Ich habe Schwierigkeiten abzuschalten, weil MeinFernbus doch mein Baby ist. Das ist nicht immer gut, besonders nicht für das Privatleben, aber in diesem Punkt besser ich mich.
Dies hat jedoch einen positiven Aspekt und zwar, dass ich gelernt habe, dass es immer eine Lösung gibt, egal wie verfahren die Situation erscheint. Wenn man genug Kreativität und Energie mitbringt und sich auf die Unterstützung des Teams verlassen kann, dann findet man einen Weg, man kommt immer ein Stück voran, auch wenn das Ergebnis vielleicht anders ausfällt als zu Beginn gedacht. Das motiviert sehr und man kann positiv neue Herausforderungen angehen.
Die meiste Zeit am Tag verbringe ich mit meinen Team, wo wir in Besprechungen gemeinsam die unterschiedlichsten Themen durchgehen. Externe Auftritte versuche ich zu reduzieren, da die „Schlacht“ auf dem Fernbusmarkt nun losgegangen ist und wir diese nur in den eigenen vier Wänden gewinnen können. Wir wollen und werden besser als die Anderen sein.
Dementsprechend komme ich mit 40 Stunden nicht aus, aber ich schaffe einen einigermaßen guten Ausgleich. Zumindest das Wochenende halte ich mir für meine Familie frei.

MeinFernbus legte ein unfassbares Wachstum hin. Wie geht Ihr persönlich und als Unternehmen damit um? Welche Eigenschaften braucht ein Unternehmer, um ein Unternehmen mit so einem rasanten Wachstum noch im Griff zu haben? Welche persönlichen Eigenschaften haben Dir am meisten geholfen?
Essentiell für das Wachstum ist es, eine Vision zu haben, um klar zu wissen, wo man hin will. Man braucht ein starkes Team und man braucht den Glauben an sich selbst, dass man es packt.
Man muss die Zeichen der Zeit im Wachstum erkennen und feststellen, dass man sich in einem Change-Prozess befindet, indem die Abläufe und die Kommunikation angepasst werden müssen. Vom chaotischen, aber spaßmachenden Start-up, wo jeder alles mitkriegt, zu einer gestandenen Organisation mit geteilter Verantwortung und kleineren Arbeitsabschnitten. Die Herausforderung, dass die Mitarbeiter und das Umfeld mit dem selben Engagement und Herzblut dabei bleiben, weiterhin viel mitbekommen, Spaß haben und alles effizient abläuft, gilt es anzunehmen und ist besonders wichtig.
Die persönlichen Eigenschaften, die mir besonders geholfen haben sind die Begeisterungsfähigkeit, gepaart mit der Überzeugungskraft, die tief von innen kommt. Die Empathie, sich sozusagen in den Anderen einzufühlen, egal, ob das Mitarbeiter, Führungskräfte, Buspartner, oder Lieferanten sind. Um Schwierigkeiten zu erkennen und dafür Lösungen zu finden, bevor es ernste Probleme gibt. Selbstverständlich ist es unumgänglich enorm flexibel zu sein.

Wo siehst Du das Unternehmen in 5 bis 10 Jahren?
Unser großes Ziel war es, der bekannteste und beliebteste Fernbusanbieter zu sein. Das haben wir auch schon erreicht. Der größte und sympathischste Anbieter sind wir nach Befragungen. Das wollen wir auf jeden Fall bleiben und das wird genug Energie kosten. Der Wettbewerb ist groß und auch die Konkurrenz möchte natürlich zum Marktführer werden.
Natürlich haben wir auch noch eine andere Vision, ein Ziel auf das wir hinarbeiten. Das ist aber etwas, was wir noch nicht öffentlich kommuniziert haben. Irgendwann wird es einen Zeitpunkt geben, wo wir offiziell sagen, da wollen wir hin. Momentan ist der Fokus, hier in Deutschland die Marktführerschaft zu verteidigen, mit den glücklichsten Kunden und den glücklichsten Mitarbeitern.

Wie geht man mit namhafter Konkurrenz wie der Deutschen Bahn, oder dem Postbus um? Was zeichnet MeinFernbus im Vergleich mit den Konkurrenten aus?
Wir sind schneller und wir sind sympathischer. Unsere Mitarbeiter sind mit sehr viel Herzblut bei der Sache. Das ist auf jeden Fall ein Unterschied zu den Staatsunternehmen. Wir kennen auch die Wünsche unserer Kunden einfach gut und verstehen es, die Kunden anzusprechen und zu begeistern. Deswegen haben wir die vollsten Busse.

Was sind die größten Stolpersteine für Startups? Wie konnte MeinFernbus diese überwinden?
Man trifft sehr viele Bedenkenträger. Deutschland an sich ist sehr risikoavers. Es werden eher die Risiken als die Chancen gesehen. Man braucht viel Eigenenergie und Glaube an sich selbst, um sich von der großen Skepsis nicht entmutigen zu lassen. Am Anfang hatten wir die Idee, dass wir Geld von der Bank oder durch öffentliche Förderkredite bekommen, darauf haben wir uns konzentriert.
Doch wenn man darauf hört, was einem die Banker oder Förderanstalten sagen, dann kann man auch nach Hause gehen, sich ins Bett legen und es sein lassen. Es ist wichtig sich dadurch nicht entmutigen zu lassen. Wenn man die Vision und den Glauben hat, dass man das schafft, sollte man einfach mit Selbstbewussten dabei bleiben.
Wir sind auf private Investoren zugegangen und waren da auch relativ schnellerfolgreich. Es ist sicher angenehm, wenn man die Chance hat, sich mit öffentlichem Geld oder Fremdkapital von der Bank zu finanzieren. Den Fokus nur darauf zu legen und der Meinung zu sein, das funktioniert, ist ein Irrtum. Uns hat es besonders geholfen, dass Panya und ich, uns gegenseitig- gestärkt haben.
Weiterhin ist es sehr wichtig, dass man die richtigen Mitarbeiter hat. Am Ende gilt „people make the difference“. Das richtige Team aufzubauen, ist entscheidend, man schafft das nicht alleine. Das ist unmöglich. Man muss die Vision und die Ziele vorgeben. Energie und Begeisterungsfähigkeit helfen dabei. Am Ende sind es jedoch die Mitarbeiter, die das Ergebnis machen.
Es ist essentiell, sich schnell eine zweite Führungsebene aufzubauen, bestehend aus qualifizierten und guten Führungskräften, um so schnelles Wachsen zu garantieren. Dabei ist es wichtig, sich nicht immer mit dem nächstbesten Bewerber zufrieden zu geben. Meine Erfahrung ist es, sich nicht mit einer B-Lösung zu begnügen, da dies zu viel mehr Frust und Energieverlust führt. Lieber sollte man auf jemanden warten, der absolut ins Team passt, der von seinem Wissen, von seinem Knowhow, von seinen Zielen und von der Art und Weise wie er an die Sache herangeht das Team gut ergänzt.
Dabei sollte man die Mitarbeiter vorher richtig testen, Situationen des Alltags ansprechen und inhaltlich Aufgaben aus dem Alltagsgeschäft geben, so kann man sich viel besser ein Bild machen, ob die Person das richtig angeht und ins Unternehmen passt. Das ist ein wesentlicher Stolperstein, wenn man nicht das richtige Team zusammenkriegt.

Erlebt man erst als Unternehmer, was Verantwortung im Beruf wirklich bedeutet?
Ich weiß nicht, ob ich das erst als Unternehmer gemerkt habe. Ich war schon immer sehr verantwortungsvoll. Ich habe schon immer viel gearbeitet, mich engagiert und identifiziert. Aber es gibt schon einen Unterschied und zwar das Unternehmerische. Einfach selbst Unternehmer zu sein. Auf der einen Seite gibt es eine ganz tolle Facette, die Entscheidungsfreiheit, die mir sehr wichtig ist. Nicht immer Andere überzeugen zu müssen im Konzern, wie früher bei der Bahn oder als Unternehmensberater. Dadurch, dass man Andere überzeugen muss, dass eine Sache richtig ist, geht viel Energie verloren. Hier ist der riesen Vorteil, dass man entscheiden kann, wie man denkt, dass etwas richtig ist. Das ist sehr motivierend. Die gleiche Medaille hat aber auch eine andere Facette, die Verantwortung.
Da liegt eine Verantwortung für ganz viele Mitarbeiter auf einem. 200 Mitarbeiter in der Zentrale, über 1000 Fahrer bei unseren Buspartnern. Hinzu kommen die weiteren Geschäftspartner und Investoren.
Man hat etwas versprochen und hat die Verantwortung es hinzubekommen, sodass möglichst alle glücklich sind. Das ist nochmal eine andere Verantwortung im Vergleich zu einem normalen Job. Solange es gut läuft, kann man sehr gut damit umgehen, dann ist es eine tolle Mischung mit der Entscheidungsfreiheit. Wenn es nicht gut so läuft, dann ist es ein schweres Los, was jedoch dazu gehört und was einen manchmal noch mehr motiviert, um nach einer besseren Lösung zu suchen.

Was würdest Du uns jungen und unternehmerisch interessierten Menschen mit auf den Weg geben?
Ich würde auf jeden Fall die Gründungsidee sehr tief durchdringen. Nicht mit einer groben Idee losziehen, sondern diese von allen Seiten beleuchten. Zu verstehen, wie will ich sowas aufbauen und angehen, was ist der Produktvorteil, wie differenziere ich mich von der Konkurrenz usw. Das macht es auch leichter bei den Investoren schnell, zu ordentlichen Bedingungen, an das benötigte Kapital zu kommen.
Das Zweite ist, sich auf jeden Fall externen Rat zu holen. Man hat viele Vorteile als junger Mensch, aber man hat wenig Erfahrung. Es gibt viele Leute, die schon genug Erfahrung haben. Mit Startups sprechen, die es schon geschafft haben. Dann natürlich in Kontakt treten mit Gründerberatungen, Gründercoachings und Unternehmern, die man über Bekannte, Freunde, Eltern kennt. Das hat uns unglaublich viel geholfen. Wir haben viele Fettnäpfchen und Probleme umschifft, weil wir uns vorher damit intensiv auseinandergesetzt haben.
Das Dritte, sich nicht entmutigen lassen bei Rückschlägen. Immer nach vorne auf das Ziel schauen. Und wenn man in eine Sackgasse gelaufen ist, den Rückwärtsgang einlegen und die nächste Straße ausprobieren.

Was hat Euch bewogen, dem Treffen mit uns zuzustimmen?
Wir sind ein Startup gewesen und uns hat man geholfen. Es ist wie ein Gebot der Fairness, wir wurden damals unterstützt und möchten dies weitergeben.
Zudem hat es uns sehr viel Freude bereitet euch kennenzulernen. Die Gespräche und das Treffen waren sehr erfrischend und spannend.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast.